Bartholomäuskirche

Kirche von Süden Kurzbeschreibung

Beim Eintritt in unsere Kirche stellt man eine Eigenart fest. Es gibt keinen Chorraum: der Altar befindet sich an der Süd-Ostwand des fast quadratischen Innenraumes, daneben die Kanzel.

Das war nicht immer so. Die Kirche, wurde, bis zur heutigen Form, auch mehrmals verändert und vergrößert.

Erstmals nachweislich im frühen 13. Jahrhundert ist eine Burgkapelle "St. Peter" - auf dem Perge - , zur Pfarrei Creußen gehörend. Mit dem Wechsel der Herrschaft von deren von Künsberg an den Markgrafen, erfolgte im 15. Jahrhundert die Ablösung von Creußen. Emtmannsberg wurde eigene Pfarrei. Da die Kapelle inzwischen zu klein war, sollte eine Kirche gebaut werden. Das war aber anscheinend nicht so einfach.

Wie die SAGE berichtet, waren die maßgeblichen Leute - Patronatsherr, Klerus? - jedoch über den Standort nicht einig. Während die einen eine neue Kirche auf dem Berg haben wolten, waren die anderen für den Bau im Tal bei St. Helena.

St. Helena, im Auslauf der "Leitn" zum "Großen Schwenkenholz" hin gelegen, war damals ein bekannter Wallfahrtsort mit Heilquelle und Kapelle.

Schließlich wurde doch der Bau im Tal beschlossen und das Baumaterial dort hingebracht. Doch welch Wunder: am nächsten Morgen lagen Holz und Steine oben auf dem Berg. Mann schaffte alles wieder hinunter, doch war es am nächten Tag wieder oben. Diesen "Wink" verstand man und so wurde über mehrere Jahre, bis etwa um 1450, die Burgkapelle durch einen Anbau zur Kirche erweitert.

Über 300 Jahre vergingen bis 1666 bis 1667, unter Freiherrn von Stein, eine innere Umgestaltung und Erweiterung nach Nord-West erfolgte. Daran erinnert der Denkstein an der Außenwand rechts vom Haupteingang.

Doch nach wenigen Jahrzehnten wurde schon wieder gebaut. Durch Markgraf Friedrich (1735 - 1763), Patronatsherr nach denen von Stein, entstand 1749 eine "Markgrafenkirche" in der jetzigen Gestalt.

Und hier wieder, wie eingangs schon erwähnt, das Besondere: im Gegensatz zu den übrigen Markgrafenkirchen im Bayreuther Land wurde kein Kanzelaltar geschaffen, sondern - vermutlich auch aus Platzgründen - das "Nebeneinander" belassen.

Das Patronat hatten ursprünglich die von Künsberg, Eigentümer des Rittergutes Emtmannsberg. Im Jahre 1487 verkauften sie es an den Markgrafen Friedrich, der es in der Folge zu Lehen gab. Zuletzt hatten die Herren von Schaumberg, die es um 1540 von Markgraf Albrecht "ablösten", also erworben haben.

1661 "erkaufft Carl von Stein, Cantzler von Hochfürstl. Landesherrschaft" das Rittergut. Sein Sohn Erdmann, ebenfalls im Dienste des Markgrafen, verstarb 1739 ohne männliche Erben. Damit ging ds Gut wieder an den Markgrafen zurück. Da auch dieser ohne männliche Erben war, fiel Bayreuth 1769 an den Ansbacher Markgrafen, der mit Ansbach 1791 dem preußischen König übergab. Nach napoleonischer Besetzung erfolgte 1810 der Anschluss an das von Napoleon 1806 neu geschaffene Königreich Bayern.

Heute obliegt die Baulast zu 2/3 dem Staatl. Bauamt Bayreuth und zu 1/3 der Kirchengemeinde.

Die letzte große Instandsetzung wurde 1968 unter dem von 1946 bis 1979 amtierenden Pfarrer Wilfert durchgeführt. Es wurde zwar großer Wert auf die ursprüngliche Farbgestaltung gelegt, aber auch manches vertraute alte, wie der Messingkronleuchter und die alte Orgel samt dem Prospekt - dem damaligen Empfingen entsprechend - entfernt.

 

Den Altar ließ 1667 Freiherr Carl von Stein einrichten. Der Altartisch ist noch ein Teil des früheren Steinaltars.

 

Die Kanzel, etwa um 15.80 entstanden, ist ebenfalls aus Stein. Sie wurde 1667/67 mit Holz umkleidet. Der Kanzelfuß mit der gedrehten Säule ist noch ursprünglich.

 

Der Taufstein stammt aus der Werkstat des markgräflichen Hofbildhauers Elias Räntz. Er wurde 1723 von einer „Götzin von Heinersreuth“, der Frau des damaligen Stein`schen Gerichtsverwalters, gestiftet.

 

Die Orgel wurde 19070 – in Zusammenhang mit der Kirchenrenovierung – von der Firma Walker aus Ludwigsburg eingebaut. Sie hat mechanische Schleifladen, zwei Manuale mit je vier Register, dazu einen Sub- und Offenbaß, sowei drei Koppeln.

Die alte, 1763 beschaffte Orgel, war nach den Orgelsachverständigen der Landeskirche nicht mehr erhaltenswert. Vom alten Orgelprospekt sind noch die beiden Putten, links und rechts neben der Orgel an der Wand erhalten.

 

Die Vortragskreuze sind nur noch Zierde. Das ältere, an der Säule beim Ausgang zum Friedhof stammt vermutlich aus der Zeit der Stein`schen Kirchenerweiterung, Das andere wurde 1759 von einem „Nicolaus Hertel, Beck allhier“ gestiftet.

 

Freiherrn- und Pfarrstuhl, einst für das „gemeine Volk“ tabu, sind noch aus alter Zeit, kenntlich durch Symbol bzw. Wappen.

 

Der Brandenburger Adler und die Wappen an Alta, Orgelempore und Pfarrhaus, erinnern an die Beziehung unserer Gegend zur Mark Brandenburg.

 

Der Turm hatte ursprünglich eine gotische Spitze. Diese wurde beim Umbau 1666 durch die heutige Form ersetzt. Er ist 39 m hoch.

 Turmuhr - Ziffernblatt

Die Uhr – aus 1749 – ist mit ihren zwei Ziffernblättern ebenfalls eine Seltenheit. Das „Aufziehwerk“ wurde 1962 durch ein elektrisches und dieses wegen starker Abnutzung 196 durch ein vollelektronisches ersetzt.

 

Das Geläut besteht aus vier Glocken:

 

Glocke

Guß

Ton

Gewicht

I

1870

a

390 kg

II

1955

c

230 kg

III

1955

d

158 kg

IV

1922

e

135 kg

 

Aus: BAVARIA, Landes-Volkskunde Königreich Bayern

 

"Den rothen Main überschreitend treten wir in das Gebiet der vormaligen Herrschaft“zu dem Perge“Nentmannsberg oder neuerdings Emtmannsberg genannt. Dieser einen weiten Ausblick in die obere Pfalz gewährende Edelsitz war durch eine sagenhafte Heilquelle berühmt, welche die heidnische Gottheit der heiligen Helena und dem heiligen „Georg im Erlich“ einräumen mußte. Die schon im 13. Jahrhundert hier seßhaften Ministralilen von Kindsperg verstanden es dem Kurorte gehörigen Zulauf zu verschaffen, der Wunderthaten waren sicher viele bekannt, aber die feierlichen Umgänge mit oft mehr fünzfig Priesen (1479), bei denen selbst der bayreuther Stadtrath beigewohnt, zogen noch mehr Leute an und wurden rechtzeitig dazu benutzt den Gutswerth zu erhöhen, so dass der Landesfrst 1487 für die Erbabtretung dieses Rittergutes 26860  fl. Kaufschilling erlegt hat."